Sanierungs- - und Finanzierungskonzept 


Seit Anfang der 90er Jahre wird in der Bochumer Bürgerschaft eine intensive Diskussion um die Sanierung des Turmes der Christuskirche geführt. Zentrale Themen sind die Standfestigkeit des Kirchturmes sowie die Sanierung des Turmhelmes und der Glockenanlage. 
Die Standfestigkeit ist derzeit nicht unbedingt gewährleistet, da Materialverschleiß, Witterungs- und andere Umwelteinflüsse sowie dynamische Beanspruchung aus dem Glockengeläut zu irreparablen Schäden an der Bausubstanz geführt haben. 
Zwei Fragen werden in diesem Zusammenhang kontrovers diskutiert: unter welchen denkmalpflegerischen Gesichtspunkten soll die Instandsetzung erfolgen und mit welchem finanziellen Aufwand? 
Der Sanierungsbedarf bestand erstmalig nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges. 
Im Zusammenhang mit der Errichtung des neuen Kirchenschiffes wurden ab 1957 die kriegsbedingten Schäden am Turm ausgebessert und die Steine des Helmes mit stählernen Zugankern gesichert. 
Im Jahre 1959 bekam der Turm eine neue Glockenanlage, die 4,00 m über dem alten Geläut installiert wurde. Um die Schwingungen der höher angebrachten Glocken auszugleichen, baute man in den 70er Jahren eine Gegenpendelanlage ein. Diese Maßnahme war jedoch unzureichend. Seit 1992 sind konkrete Sanierungsschritte eingeleitet worden, nachdem sich mehrfach Sandsteinbrocken vom Turm gelöst hatten. Der Evangelische Kirchenkreis Bochum beauftragte im Jahr 1996 einen Gutachter zur Erfassung der Bauschäden. Das Ergebnis des Gutachtens war eine akute Gefährdung der Standsicherheit des Turmhelmes und gravierende Schäden an der Außenfassade. 

Als Sanierungsmaßnahmen schlug der Gutachter die Abtragung, Reinigung und Neumauerung jedes einzelnen Steines vom Helm und Turmgalerie sowie die umfassende Säuberung und Ausbesserung der Fassade vor. 

Die veranschlagten Kosten von ca. 4,35 Mio.EUR sollten zu 80 % vom Land NRW und zu 20 % vom Evangelischen Kirchenkreis Bochum aufgebracht werden. Weil dieses Finanzierungsmodell nicht nachvollzogen werden konnte, stellte man die Sanierung zurück und das Glockenläuten ein. 


Im Jahr 1996 wurde der Verein Denkmal Christuskirche e.V. gegründet, um die Sanierungsproblematik publik zu machen und Mittel aus Spenden und anderen Quellen einzuwerben. 
Auf Initiative des Vereins wurde noch im selben Jahr durch einen weiteren Gutachter ein Sanierungskonzept erstellt, bestehend aus fünf technisch möglichen Varianten und deren Bewertung: 

1. Abtragen der Steine des Turmhelmes bis zum Turmstumpf, Kirche als Ruine ohne Helm. 
Vorteil: geringe Kosten 
Nachteil: Verlust der historischen Bausubstanz 

2. Abtragen der Steine des Turmhelmes und Nachbau der Silhouette mittels einer Edel- oder Cortenstahlkonstruktion. 
Vorteil: Erhalt der Silhouette 
Nachteil: Verlust der historischen Bausubstanz 

3. Reparatur des vorhandenen Turmhelmes mit gleichzeitigem Einbau einer statisch gesicherten Zusatzkonstruktion aus Stahl oder Beton. 
Vorteil: weitgehender Erhalt der Bausubstanz. 
Nachteil: gewisse technische Risiken, verbunden mit hohen Kosten. 

4. Sanierung wie im Jahr 1996 vom Gutachter vorgeschlagen. 
Vorteil: Erhalt der Bausubstanz. 
Nachteil: hohe Kosten. 

5. Reparatur des vorhandenen Turmhelmes, anschließende Außeneinkleidung des Turmhelmes mit Blei. 
Vorteil: Möglichkeit späterer Rückgängigmachung unter Beibehaltung der Bausubstanz bei moderaten Kosten. 
Nachteil: Beeinträchtigung des Erscheinungsbildes durch Bleieinkleidung. 

Die beteiligten Einrichtungen - dies sind: der Kirchenkreis Bochum, das Baureferat der evangelischen Kirche von Westfalen, das Westfälische Amt für Denkmalpflege sowie die zuständigen Behörden der Stadt Bochum - kamen im Juli 1998 überein, die Variante (3) zu favorisieren (steinsichtige Sanierung). 

Das Sanierungskonzept wurde daraufhin in drei Bauabschnitte bzw. Baustufen geteilt: 

Der 1. Bauabschnitt dient der Sicherung und steinsichtigen Sanierung des Turmhelms sowie weiterer Sicherungsmaßnahmen am obersten Teilstück des Turmschafts (Maßnahmen zur Gefahrenabwehr). Der Turmhelm muss mit Hilfe einer inneren Versteifung aus Stahlbeton gegen Kippen bzw. Einsturz gesichert und seine Oberfläche stabilisiert und geschützt werden. 

Für diesen 1. Bauabschnitt allein sind Kosten in Höhe von 1.499  Millionen EUR veranschlagt. 

Gleichzeitig kann dank der Einrüstung des Turms eine genaue Schadenserfassung am unteren und mittleren Turmschaft erfolgen. Hier wird es notwendig werden, die Sandsteinquader-Sichtflächen zu reinigen, rostende Eisenanker auszulösen und verwitterten Fugenmörtel zu entfernen. Teilweise ist der Wassergehalt in den Fugen so groß, dass angewehte Baumsamen keimen und zu mannshohen Büschen auswachsen. Auch ist der Zustand des Stützmauerwerks hinter den großformatigen Sandsteinquadern weitgehend unbekannt. 

Für diesen 2. Bauabschnitt sind zurzeit weitere 622,0 Tsd. EUR veranschlagt. 

Ein 3. Bauabschnitt dient der Sanierung und kritischen Rekonstruktion der Gedenkkapelle im Turm Raum.
Die Wiederherstellung dieses Raumes, der vor über 80 Jahren nahezu flächendeckend mit einem Mosaik ausgestaltet wurde ist aufwendig, da wegen andauernder Wasserzuführung zunehmend mehr Mosaiksteine ausbrechen. Eine kritische Rekonstruktion dieser vormals sogenannten "Helden-Gedenkkapelle", die zu dem nationalistischen Pathos auf Distanz geht, ist zudem unerlässlich. 

Die Kosten für diesen 3. Bauabschnitt sind noch nicht erfasst. 
Die Gesamtkosten der Sanierungsmaßnahmen belaufen sich mithin auf mindestens 2,3 Millionen EUR.
Ein erheblicher Teil dieser Summe ist nur mit Hilfe privater Unterstützung aufzubringen. 

Wir möchten dazu beitragen, diese Deckungslücke im Finanzierungskonzept zu schließen.

 Deshalb werben wir um Ihre Unterstützung.

Nachtrag November 2004

Nach nun mehr acht Jahren Aktivitäten rund um den Turm der Christuskriche Bochum ergibt sich folgendes erfreuliche Bild:

I. Bauabschnitt: Turmhelm: ausfinanziert / abgerechnet   Kosten gesamt: 1.150.851 Euro   davon Land NRW:  80 % Stadt Bochum: 10 % Eigen- & Spendenmittel: 10 %   II. Bauabschnitt: Turmschaft: ausfinanziert / abgerechnet   Kosten gesamt: 512.742, 56 Euro   davon Land NRW: 35 % Stadt Bochum:

10 % Deutsche Stiftung Denkmalschutz : 16 % Stiftung der Sparkasse Bochum : 9 % Eigen- & Spendenmittel : 30 %   III. Bauabschnitt : Gedenkraum :   Kosten überschlägig: 213.000 Euro   Finanzierung unter Beteiligung von:   Deutsche Stiftung Denkmalschutz : 25.200,- Euro Stiftung der Sparkasse Bochum : 33.799,- Euro Eigen- & Spendenmittel z. Zt.:  103.812,-  Euro.   Die Deckungslücke  in Höhe von z. Zt. 50.189,- Euro ist, wie die Kostenkalkulation des III. BA insgesamt, ein überschlägiger Wert, der sich nach jeweiligem Befund vor Ort verändern kann: Die restaurativen Maßnahmen im Gedenkraum selber fallen z.B. günstiger aus als geplant, die statischen Sicherungsmaßnahmen am Übergang zwischen Gedenkraum und Foyer drohen dagegen, erheblich aufwendiger zu werden als geplant.